0106 Bibliothekenzentrum

Ort
Bozen
Planung / Realisierung
2004
Leistungsphasen
Wettbewerb
Bauherr
Provinz Bozen
Größe
--
Bausumme
--
Architekt
Muck Petzet Architekten
Team
Muck Petzet, Andreas Ferstl


Auf seine direkte Umgebung und die jetzige, gewachsene Situation reagiert das neue Gebäude mit Zurückhaltung. Durch die Konzentration der Gebäudemassen an der Westseite des Grundstücks kann ein neuer Platz und öffentlicher Vorraum für das Bibliothekenzentrum geschaffen werden. Das Gebäude soll dabei auch in der vertikal rhytmisierten Gitterstruktur der Fassade einen Dialog mit dem komplett erhaltenen, freigestellten großartigen Baumbestand entlang der Longonstraße aufnehmen. Eine ‚künstliche Landschaft’ spannt sich zwischen den Bäumen und dem Gebäude auf, die auch außerhalb der Bibliotheken zum Verweilen und Lesen einlädt. Die weit auskragende Süd-Westecke empfängt und führt den von Süden kommenden Besucher gedeckt zum neuen breiten Eingang am Longon Platz. Während das langgestreckte Haupt-Gebäude in seiner Höhenentwicklung weit unterhalb des jetzigen Bestands bleibt ist das Nordende zur Diaz Straße zeichenhaft erhöht. Hier ist – gegenüber der jetzigen Bibliothek Dr. F. Tessmann - ein weiterer Eingang im Turmbau integriert. Hier befindet sich das Herz der Anlage, der Verbuchungsbereich, der Eingang zum Veranstaltungsforum und Treppenhäuser zu den in den oberen Geschossen untergebrachten Sonderfunktionen. Die Punktuelle Überschreitung der maximalen Gebäudehöhe von 27.50 mit einer öffentlichen Nutzung soll das Gebäude auch von der Altstadt und den Brücken aus wahrnehmbar und direkt auffindbar machen.

Bei der Erfüllung des Raumprogramms und der funktionellen Anforderungen war uns die räumliche Lösung des Widerspruchs zwischen Autonomie der einzelnen Institutionen und kommunikationsfördernder, gemeinsamer ‚Benutzeroberfläche’ wichtig. Die Überlagerung einer offenen, alle Bereiche spiralförmig erschließenden, raumbildenden Rampen-Ebenenstruktur mit den ‚Häusern’ der übereinander liegenden, in sich abgeschlossenen Bibliotheken ermöglicht die Großzusammenhänge von non-fiction / fiction / tirolensien etc. herzustellen und dabei den darin enthaltenen einzelnen Unterabteilungen einen jeweils speziellen Ort zu geben. Die spannungsreichen räumlich ausmodulierten Raumerfahrungen auf dem unmerklich ansteigenden Weg durch die Bibliotheken werden gesteigert durch die darin einschneidenden drei zentralen Lichthöfen. Diese gebrochenen und verdrehten Lichtkörper markieren die Lage und Haupt-Informationspunkte der einzelnen Bibliotheken. Der westliche, statische ‚Rücken’ des Gebäudes dient der Konzentration und Abgeschiedenheit während die frei schwingende Ostseite mit der davor sich aufspannenden Piazza Longon zum Kommunikationsaustausch und intensiver Dialog einlädt.
Die Qualität der Innenräume und des Baukörpers liegt in der Verbindung zwischen fließender Dynamik und konzentriertem Innehalten. Baukörper, Erschließung und Raumprogramm bilden eine Einheit. Äußere und Inneren Erschließung gehen ineinander über, Freiflächen und Gebäude verschmelzen zu einem offenen Kontinuum das an jedem Ort des Verweilens neue Erfahrungen bietet. Auf der offenen ‚Endlos-Spirale’ der Bibliotheksebenen sind funktionelle Flächenverschiebungen zwischen den sich verändernden Bibliotheken unproblematisch. Die erreichte Flexibilität ist jedoch nicht durch Undifferenziertheit und Ortlosigkeit erkauft. Die Spirale läuft über den Jugend und Kinderbereich nach oben wieder ins Freie und wird zur Spiellandschaft und Lesegarten über der Stadt.

Mit dem Café direkt am neuen Platz und dem zusätzlichen Angebot eines Aussichtsrestaurants soll die Offenheit des neuen Bildungs- und Kulturzentrums und seine Rolle als Treffpunkt in der Stadt sichtbar gestärkt werden. Die geplanten Öffnungszeiten bis 21.00 lassen für das Café aber auch für das Restaurant eine gute Frequentierung und Belebung auch in den Abendstunden erwarten. Der geplante separate Eingang von der Longonstraße aus ermöglicht den unabhängigen Betrieb des Veranstaltungsforums aber auch des Restaurants. Der über den Bäumen schwebende Glaskörper wird auch Nachts als Erkennungs- und Wahrzeichen seine Fernwirkung in der Stadt ausüben. Der im Gebäude manifestierte Blick von der ‚italienischen’ Seite der Stadt auf die Altstadt soll die sprach- und kulturübergreifende Verbindung des neuen Bibliothekenzentrums symbolisieren.

In das neue Gebäude kann ein innovatives Haustechnikkonzept direkt in die Gebäudestruktur integriert werden. Das Gebäudeinnere soll mit einfachen und kostengünstigen ‚rohen’ Materialien gestaltet werden, die gleichzeitig auch bauphysikalisch regulierend wirksam sind. Unbekleidete massive Bauteile dienen als aktivierbare Speichermassen. In anliegendem Energiekonzept wird die Nutzung der konstanten Erdtemperatur für die Vorkonditionierung der Raumluft vorgeschlagen (Feuchte- und Temperaturregulierung). Durch eine intelligente Steuerung der beweglichen Verschattung sollen zusätzliche passive solare Energiegewinne erzielt werden.




Impressum:
Muck Petzet Architekten

Architekt BDA Dipl.-Ing. Muck Petzet
Landwehrstrasse 37
D - 80336 München
E-Mail: sekretariat(at)muck-petzet.com

Der Architekt Muck Petzet ist Mitglied
der Bayerischen Architektenkammer,
Waisenhausstraße 4, 80637 München
Mitgliedsnummern: 172838. Hinweise
zum bayerischen Architektengesetz und
der Berufsordnung sind einsehbar unter
www.byak.de

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