0144 Alte Mensa:
Generalsanierung Gemeinschaftszentrum


Ort
München
Planung / Realisierung
2009-2011
Leistungsphasen
2-9
Bauherr
Studentenwerk München
Größe
6.350 qm BGF
Bausumme
11,1 Mio EUR
Architekt
Muck Petzet und Partner Architekten
Team
Muck Petzet, Birgit Müller, Ursula Besenreiter,
Andreas Demharter, Jan Evertz
Bauleitung / LPH 6-8
Architekturbüro Köhler
Christian Köhler, Helmut Böker, Axel Hellmers,
Thomas Kulhanek, Friedemann Runkel, Judith Steinberger, Eva Valter-Gregg, Eugen Voss,
Ingeborg Werner
Landschaftsarchitekten
Keller Damm Roser
Franz Damm, Susanne Gabriel, Ralf Kuczera
TGA/HLS
Ingenieurbüro Huber
Konrad Huber, Ronald Huber, Eckhard Wallig
TGA/E
VEplan GmbH
Herbert Vilsmeier, Christoph Fink, Harm Bosse
Leitsystem
Stauss Grillmeier
Kilian Stauss, Markus Pollinger


Rückführung in einen idealisierten Originalzustand

Das Gebäude wurde aus Anlass der olympischen Spiele 1972 in München als Verpflegungszentrum der Sportler errichtet. Im Anschluss an die Spiele wurde es zusammen mit dem angrenzenden ‚Bungalowdorf’, dem benachbarten Hochhaus und den ‚Hangbauten’ als Studentenwohnheim Oberwiesenfeld umgenutzt.
Das Konzept für die Gesamtanlage stammte von den Architekten Werner Wirsing und Günther Eckert. Beide arbeiteten mit selbstentwickelten Bausystemen und industriellen Fertigungsmethoden. In der alten Mensa und im Hochhaus wurde eine fast identische, außenliegende Tragstruktur aus Stahlbetonfertigteilen verwendet, die das Innere der Gebäude stützenfrei und flexibel nutzbar macht. Die alte Mensa nimmt unter ihrem prägnanten großen Dach vielfältige, durch innere Straßen verbundene Nutzungen auf. Sie bildet das Zentrum des Gemeinschaftslebens im Studentenwohnheim für über 2000 Studenten.
Das Gebäude entsprach hinsichtlich des Brandschutzes und des Energieverbrauchs nicht mehr den geltenden Anforderungen, die technische Gebäudeausrüstung war dringend sanierungsbedürftig.

Das Gebäude wurde weitgehend entkernt. Die Fassaden wurden komplett getauscht und der Beton der außenliegenden Tragstruktur saniert. Die neue Fassade ist eine Sonderkonstruktion in möglichster Annäherung an die Originalprofile und Querschnitte. Die unvermeidlichen Wärmebrücken des die Fassaden durchdringenden Tragwerks wurden unsichtbar – auf den Innenseiten der Konstruktion – bauphysikalisch entschärft.
Die technische Gebäudeeinrichtung wurde komplett erneuert und der Brandschutz mit verschiedenen baulichen und technischen Maßnahmen (Sprinklerung / Entrauchung etc.) auf den neuesten Stand gebracht.

Die vorhandenen Nutzungen wurden untersucht, neu geordnet und mit neuen Nutzungen ergänzt. Die Nutzungen bilden jetzt logisch zusammenhängende Bereiche: Kindereinrichtungen / Beratungszentrum und studentische Selbstverwaltung im Süden, Gastronomie / Diskothek / Veranstaltungs- und Leesesaal in der Mitte und interne Einrichtungen des Studentenwerks im Norden. Es wurden auch verschiedene Werkstattbereiche / ein Waschsalon und eine Physiotherapie integriert.
Die Erschließung wurde durch neue Treppenhäuser und Aufzüge barrierefrei ertüchtigt. Das Grundkonzept der inneren ‚Straßen’ wurde durch eine einheitliche Gestaltung der Erschließungsräume in Olympia-Hellblau verstärkt.
Gestalterisch verbindet sich die sorgfältige Rekonstruktion / Restaurierung der Fassaden mit der Rückführung des Gebäudeinneren in einen ‚idealisierten Originalzustand’: Abgehängte Decken und störende Einbauten wurden entfernt. Die Rohheit der industriellen Bauweise wird auch im Inneren erfahrbar. Die Installationen bleiben sichtbar. Das Farbkonzept mit Signalisierung unterschiedlicher Nutzungen und Bereiche durch verschiedene ‚Olympia’-Farben entstand ebenso wie das vom Büro Stauss Grillmeier entwickelte Leitsystem in enger Auseinandersetzung mit dem Geist der Entstehungszeit, dem Leitsystem der Olympiabauten und den Ideen des Architekten des Gebäudes Günther Eckert.
In den Farbräumen und schlauchartigen Erschließungsstraßen des Gebäudes wird die in seinem Buch ‚die Röhre’ detailliert beschriebene Vision Günther Eckerts von einer zusammenhängenden / der sozialen Evolution gewidmeten Bebauung der Welt ein Stück Wirklichkeit.
Die Mensa und die dazugehörigen Wohnheime sind – ebenso wie die utopische ‚Röhre’ - Zeugen eines Glaubens an die Lösbarkeit der Probleme der Menschheit durch einen von humanistischen Idealen gesteuerten industriellen Fortschritt.


Die Röhre - Eine Architektur für denkbare Zeiten

Die Röhre, von Günther Eckert auch Kontinuum genannt, ist eine 35.000 Kilometer lange, röhrenförmige Konstruktion mit einem Durchmesser von 250 Metern, die 300 Meter über dem Meeresspiegel auf Pylonen ruhend, zwischen dem 40. und 50. Breitengrad um die Erde herum gebaut werden soll und etwa folgenden Verlauf hätte: Le Havre - Saarbrücken - Budweis - Kiew - Argadyr - Ulan Bator - Tsitsihar - Sapporo - Eureka - Salt Lake City - Boston - Brest.
40 innerstationäre Schnellstrecken sorgen für den Ost-West-Verkehr, drei Nebenstrecken verbinden Nord- und Südamerika, Europa und Afrika, Asien und Australien.
Das Kontinuum soll in einem Brückenbausystem errichtet werden (Pfeilerabstand 500 Meter) und ist in ein Kilometer lange Streckenabschnitte unterteilt, zwischen denen sich jeweils eine Dehnungsfuge befindet. Ein Streckenabschnitt umfasst zehn Abschnitte, die wiederum in vier Montageeinheiten zu je 25 Meter Lange unterteilt sind. Das Kontinuum baut konstruktiv auf einem kubischen Modulsystem (Kantenlänge 10 Meter) auf, das entweder als offene Konstruktion oder als Container angelegt ist.

Text: Michael Fehr (aus ‚Überleben in der Zweiten Natur, Günther L. Eckerts „Röhre-Eine Architektur für denkbare Zeiten“’)


Preise

2014 Bayerischer Denkmalpflegepreis der Bayerischen Ingenieurkammer Bau, Auszeichnung silber


Veröffentlichungen

HABITAT, Das Olympische Dorf in München, A. Berwanger, Volk Verlag München, 2015



Impressum:
Muck Petzet Architekten

Architekt BDA Dipl.-Ing. Muck Petzet
Landwehrstrasse 37
D - 80336 München
E-Mail: sekretariat(at)muck-petzet.com

Der Architekt Muck Petzet ist Mitglied
der Bayerischen Architektenkammer,
Waisenhausstraße 4, 80637 München
Mitgliedsnummern: 172838. Hinweise
zum bayerischen Architektengesetz und
der Berufsordnung sind einsehbar unter
www.byak.de

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Lageplan
Baustelle 1971
Luftbild
Nordfassade vor dem Umbau
rekonstruierte Nord-Fassade mit neuem Leitsystem
rekonstruierte Süd-Fassade mit integriertem Sonnenschutz
Foyer vor dem Umbau
offene Decken, sichtbare Installationen, Farbe als Leitsystem
Treppenhaus 1 vor dem Umbau
Flur Ebene 1 vor dem Umbau
Der Lesesaal kann in ein Kino oder einen Festsaal verwandelt werden
Lesesaal in ehemaligem Speisesaal
Töpferwerkstatt
Nebennutzungen
© Nick Frank
HABITAT, Das Olympische Dorf in München
© Nick Frank
HABITAT, Das Olympische Dorf in München
© Nick Frank
HABITAT, Das Olympische Dorf in München
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